Road-Trip Norwegen – Schweden September – Oktober 2015
Skandinavien Tourplan 2015
06.09. Rendsburg – Kopenhagen
07.09. Kopenhagen – Göteborg
08.09. Göteborg – Oslo
09.09. Göteborg – Flekkefjord
10.09. Flekkefjord – Bergen
11.09. Bergen – Alesund
13.09. Alesund – Trontheim
14.09. Trontheim – Rokland
15.09. Rokland – Svolvaer
18.09. Svolvaer – Henningsvaer
Kartenansicht bis dahin: https://goo.gl/maps/GNJ69sDSJr82
20.09. Henningsvaer – Kiruna Schweden
21.09. Kiruna – Lulea
22.09. Lulea – Örnsköldsvik
23.09. Örnsköldsvik – Sundsvall
25.09. Sundsvall – Katrineholm
27.09. Katrineholm – Gränna
29.09. Gränna – Diö
01.10. Diö – Weissenhaus
03.10. Weissenhaus – Hamburg
Kartenansicht bis dahin: https://goo.gl/maps/MeRF3LHLCNk
Tagebuch
06.09.2015
Auf dem Weg nach Nirgendwo: Ein Zwiespalt
Nach einem Abend, der in der warmen Gesellschaft von zwei guten Freunden in Bökeldorf seinen Höhepunkt fand, habe ich heute meine Reise gen Norden, Richtung Kopenhagen, angetreten. Doch im Gegensatz zu früheren Aufbrüchen, die von einer unmittelbaren, fast kindlichen Freude begleitet waren, schleppe ich heute ein seltenes, doch zunehmend vertrautes Gefühl mit mir. Der Enthusiasmus für den Beginn eines neuen Roadtrips* hat sich irgendwie verflüchtigt.
Heute war ich mehr von Fragen umgeben als von der Freiheit der Straße. Warum zieht es mich schon wieder fort von dem Bekannten? Was erwartet mich auf dieser Reise, außer der Anstrengung und der Unbequemlichkeit, die kommen wird? Wofür setze ich mich diesen Strapazen aus? Wofür und warum?
*Der Begriff „Roadtrip“ trifft es einfach besser als das deutsche Wort „Autoreise“. Es geht um mehr als nur die Fortbewegung – es ist eine lange Reise, unabhängig vom gewählten Gefährt.
Die Worte von Pascal Mercier aus „Perlmanns Schweigen“ hallen in meinem Kopf wider und fassen meine Empfindungen perfekt zusammen:
„Ich war es überdrüssig, dass man es immer nötig hatte, Entfernungen zurückzulegen, wenn man woanders sein wollte.“
„Erlebte ich von neuem die Sehnsucht und das ich nicht mehr die Zeit mit dem Zurücklegen von Entfernungen verbringen müsste. Der Gedanke, dass es anderswo etwas anderes gibt und dass man nicht auf der Stelle dort sein kann, macht mich mal wieder, wie früher schon als Kind, fast wahnsinnig.“
Diese Worte spiegeln meine innere Zerrissenheit wider. Sie sprechen von einer Sehnsucht nach dem Anderswo und gleichzeitig von der Frustration, dass der Weg dorthin so mühsam und zeitraubend ist. Es ist ein Gefühl, das mich seit meiner Kindheit begleitet – dieser Drang, sofort dort zu sein, ohne die Distanzen überwinden zu müssen.
Ich habe mich noch nicht mit der Straße versöhnt. Der Asphalt unter meinen Rädern fühlt sich an wie ein endloser Fluss, der mich von einem Punkt zum nächsten trägt, ohne dass ich wirklich ankomme. Vielleicht suche ich noch nach dem Grund für diese Reisen, nach einem Ziel, das über die bloße Bewegung hinausgeht. Bis dahin bleibt die Straße eine Herausforderung, ein notwendiges Übel auf dem Weg zu einem noch unbekannten Ziel.

07.09.2015
Zwischen Asphalt und Sehnsucht: Ein Tag mehr, ein Tag weniger
Das übliche Hotel-Frühstücksbuffet habe ich heute Morgen links liegen lassen – stattdessen zog es mich zu einer Tankstelle, wo ich meinen Kaffee in Einsamkeit genießen konnte. Die Vorstellung, mich in einen Raum voller Menschen zu setzen und deren belanglose Gespräche über noch belanglosere Themen zu erdulden, ist mittlerweile nahezu unerträglich geworden.
Die Fahrt nach Göteborg zog sich wie Kaugummi, eine eintönige Sequenz aus grauem Asphalt und flüchtigen Landschaften. Und morgen steht Oslo auf dem Programm. Ehrlich gesagt, kann ich es kaum erwarten, diese Städte hinter mir zu lassen und endlich in die Natur einzutauchen. Die urbanen Landschaften fühlen sich fremd an, fast feindselig. Sie spiegeln einen Teil der Welt wider, mit dem ich momentan wenig anfangen kann.
Was habe ich also heute gewonnen? Ein paar schwedische Worte mehr im Repertoire, „Skol“ für ein Prost unter Fremden, und die ernüchternde Erkenntnis, dass ich noch immer keinen Elch in freier Wildbahn erblickt habe. Es sind die kleinen Dinge, die den Tag irgendwie markieren, doch sie wiegen die Leere nicht auf, die das ständige Unterwegssein mit sich bringt.
Jeder Kilometer, der unter den Rädern verschwindet, scheint mich weniger vorwärts zu bringen und mehr in eine Reflexion zu zwingen, die ich mir so nicht ausgesucht hätte. Die Natur, so hoffe ich, wird ein besseres Gespräch bieten als die monotone Stille, die mich auf dieser Reise bisher begleitet hat. Vielleicht finde ich dort draußen, zwischen den Bäumen und unter dem weiten Himmel, einen Frieden oder zumindest eine Pause von dem ständigen Fragen und Zweifeln, das mich auf diesen endlosen Straßen begleitet.
08.09.2015
Unterwegs zu mir selbst: Ein Tag im Zwielicht
Auch heute hat der Tag es nicht geschafft, mich wirklich auf Kurs zu bringen. Die Straßen, die Städte, sie alle verschwimmen in einer monotonen Einheit, die mich eher abstößt als einlädt. Doch inmitten dieser Gleichförmigkeit gab es einen Lichtblick, eine kleine Flucht: Glen Hansard. Seine Musik hat es geschafft, die Stille zu durchbrechen, die mich umgibt, und hat mir ein seltenes Gefühl von Freude beschert.
Hansards raue Stimme und die leidenschaftlichen Melodien haben eine Art von Trost geboten, der auf dieser Reise bisher gefehlt hat. Es ist, als ob jede Note direkt aus dem Herzen kommt, so ehrlich und unverfälscht, dass sie die Distanz zwischen ihm und mir überbrückt. Seine Lieder haben mir Gesellschaft geleistet, haben den leeren Beifahrersitz neben mir gefüllt und die Fahrt nach Oslo erträglicher gemacht.
Doch trotz dieser musikalischen Begleitung bleibt ein Gefühl der Unruhe. Die Landschaft, die an mir vorbeizieht, die fremden Städte, die ich passiere – sie alle erinnern mich daran, dass ich auf der Suche bin. Auf der Suche nach einem Ziel, das mehr ist als nur ein Punkt auf der Landkarte. Auf der Suche nach einem Sinn in dieser rastlosen Bewegung.
Vielleicht ist es diese Musik, die mir zeigt, dass es noch etwas gibt, das es wert ist, entdeckt zu werden. Vielleicht ist es Glen Hansard, der mir unbewusst den Weg weist – nicht nach Oslo, nicht in die Natur, sondern zu einem tieferen Verständnis dessen, was ich eigentlich suche auf diesen endlosen Straßen.
Aber bis dahin fahre ich weiter, getrieben von der Hoffnung, dass die nächste Kurve, der nächste Hügel mir Antworten bietet. Antworten, die tiefer liegen als die Oberfläche dieser Reise. Glen Hansard bleibt mein Weggefährte, seine Musik ein Silberstreif am Horizont, der mir verspricht, dass nicht alle Tage grau sein müssen.
https://www.facebook.com/GlenHansardMusic/
Flucht nach Holmenkollen: Zwischen Technik und Stille
Nach dem geselligen Treiben in Bökeldorf und der einsamen Fahrt durch die Weiten Schwedens zog es mich weiter nach Oslo. Doch statt in das Herz der Stadt einzutauchen, suchte ich Zuflucht auf den Höhen von Holmenkollen. Fernab vom Lärm und der Hektik fand ich ein Hotel, das nicht nur mit seiner Ruhe, sondern auch mit einem atemberaubenden Ausblick über Oslo bei Nacht glänzte. Ein Anblick, der die Stille noch greifbarer machte, eine seltene Perle der Ruhe in meinem rastlosen Dasein.
Die Begegnung mit der norwegischen Effizienz in Form der automatischen Erfassung von Autobahn- und Citygebühren war ein Kulturschock der besonderen Art. Ein System, das mit unheimlicher Präzision arbeitet, indem es Fahrzeuge über ihre Kennzeichen identifiziert und den Fahrzeughaltern ohne jegliches menschliches Zutun Rechnungen zuschickt. Ein Beispiel für den totalen Wahnsinn der modernen Überwachungstechnologien – eine Erfahrung, die so surreal erschien, als wäre sie einer dystopischen Zukunftsvision entsprungen.
Diese kalte, unpersönliche Art der Regulierung stand im krassen Gegensatz zu der warmen Gastfreundschaft und der atemberaubenden Naturschönheit, die ich auf meinem Rückzugsort über Oslo fand. Es war, als hätte ich zwei Welten betreten – die eine, eine Festung der Technologie und Effizienz, die andere, ein stiller Hafen der Reflexion und Schönheit.
Während ich dort oben stand, umgeben von der Stille und dem majestätischen Anblick der unter mir liegenden Stadt, begann ich, über die merkwürdige Koexistenz von Technologie und Natur, von Hektik und Ruhe nachzudenken. Holmenkollen bot mir einen seltenen Moment des Innehaltens, eine Chance, die ständige Bewegung und das unaufhörliche Streben, das mich antreibt, zu hinterfragen.
Doch selbst in dieser Idylle konnte ich die Ironie nicht ignorieren: Der technologische Fortschritt, der es uns erlaubt, so weit und so schnell zu reisen, ist derselbe, der uns in Form von automatisierten Rechnungen einholt. Ein stetes Erinnern daran, dass, egal wie weit wir fliehen, die moderne Welt und ihre Anforderungen uns stets einholen werden.
So stand ich da, auf Holmenkollen, zwischen der Stille der Natur und dem Flimmern einer Stadt, die nie schläft, gefangen in einem Moment der Reflexion über die unergründlichen Wege, die uns durch das Leben führen.
http://www.schwedentipps.se/maut.html#.WJs4LRiX9yo

09.09.2015
Fjorde und Sonnenschein: Ein Tag der Versöhnung
Heute hat sich das Blatt gewendet; die Straße scheint mich endlich zu akzeptieren. Mit dem Erreichen der ersten Fjorde fühle ich, wie eine Last von meinen Schultern fällt – die endlose Autobahn weicht pittoresken Landstraßen, und ich tauche ein in die beeindruckende Schönheit der norwegischen Landschaft. Flekkefjord begrüßt mich mit offenen Armen, ein malerisches Nest, das Ruhe und Gelassenheit ausstrahlt. Es ist, als hätte ich einen verborgenen Schatz am Ende eines langen Weges gefunden.
Die Sonne begleitet meinen Weg, und der Wirt verkündet mit einem Lächeln, dass das Wetter nun besser sei als im Sommer. Dieses Phänomen ist mir nicht fremd; bereits auf meiner Tour durch Portugal letztes Jahr hörte ich ähnliche Worte. Langsam aber sicher beginne ich zu glauben, dass es an mir liegen muss. Wo auch immer ich hinreise, scheint mir das schöne Wetter zu folgen – ein kurioser Begleiter auf meinen Abenteuern.
Besonders charmant finde ich die Eigenart des Hotels und Restaurants in Flekkefjord, wo die Gäste nicht selten mit dem Boot anreisen und direkt an der Terrasse anlegen. Es ist ein faszinierendes Schauspiel, das den maritimen Geist Norwegens widerspiegelt. Hier, in dieser friedvollen Ecke der Welt, vermischen sich die Grenzen zwischen Land und Wasser, zwischen Reisenden zu Lande und solchen zu Wasser.
Diese harmonische Koexistenz von Natur und Mensch, von Reisen zu Lande und zu Wasser, verleiht meinem Aufenthalt in Flekkefjord eine besondere Note. Die Ruhe, die dieser Ort ausstrahlt, ist ansteckend, und das Wetter scheint sich von meiner Anwesenheit inspirieren zu lassen. Es ist, als hätte ich endlich einen Rhythmus gefunden, der zu mir passt – weg von der Hektik der Autobahnen, hinein in die ruhige Umarmung der norwegischen Fjordlandschaft.
Heute fühle ich mich ein Stück mehr mit der Straße verbunden, als hätte ich meinen Platz in der endlosen Bewegung gefunden. Flekkefjord, mit seinen einladenden Fjorden und dem sonnigen Himmel, markiert einen Wendepunkt auf meiner Reise – einen Moment der Versöhnung mit den Wegen, die ich wähle.
http://www.maritimfjordhotel.no/hotell-i-flekkefjord

10.09.2015
Zwischen Fjorden und Fähren: Ein Weg nach Bergen
Die Fahrt nach Bergen hat heute alles in den Schatten gestellt, was bisher war. Die Nähe zum Wasser, die majestätischen Fjorde, die sich wie Lebensadern durch die Landschaft ziehen – all das verleiht der Reise eine ganz eigene Dynamik. Das Besondere an Norwegen ist, wie selbstverständlich die Fähren Teil des täglichen Verkehrs sind. Ganz so, als würde man eine Brücke überqueren, nur dass hier die Straße schlicht am Wasser endet. Das Warten auf die Fähre wird mit einem lässigen Kaffee überbrückt, dann setzt man die Reise auf dem Wasser fort, um auf der anderen Seite nahtlos weiterzufahren. Es ist ein rhythmischer Tanz von Ankommen und Aufbrechen, der hier völlig unaufgeregt zelebriert wird.
Bergen selbst empfängt mich mit offenen Armen. Die Stadt pulsiert vor Leben, Geschichte und Kultur. Doch trotz ihrer Schönheit und dem ursprünglichen Plan, hier zwei Tage zu verweilen, zieht es mich weiter. Die Neugierde auf Ålesund, von vielen als die schönste Stadt Norwegens gepriesen, ist einfach zu groß. Also entscheide ich mich, Bergen nach nur einem Tag den Rücken zu kehren und stattdessen zwei Tage in Ålesund zu verbringen.
Das Hotel in Bergen ist ein Highlight für sich – hervorragend und mit einem coolen Flair, das perfekt zur Atmosphäre der Stadt passt. Doch die Reise ruft, und so sehr ich die Gastfreundschaft und den Komfort hier auch schätze, das Abenteuer wartet bereits mit dem nächsten Fjord.
Diese Entscheidung, weiterzuziehen, auch wenn ein Ort noch so viel zu bieten hat, ist Teil des Reisens. Es ist das ständige Streben nach dem, was hinter der nächsten Kurve, dem nächsten Fjord liegt. Bergen mag eine Perle sein, doch Ålesund verspricht ein neues Kapitel, eine neue Geschichte in diesem ungeschriebenen Buch meiner Reise durch Norwegen. Die Vorfreude auf das, was kommt, ist ein treibender Wind, der mich vorwärts trägt – über die Fjorde, durch die Städte und tiefer hinein in das Herz dieses wunderschönen Landes.
http://www.dethanseatiskehotel.no/en/
11.09.2015
http://www.brosundet.no/en/the-hotel
13.09.2015
Heute ging es von Alesund nach Trondheim mit einem Abstecher zu den Trollstiegen, zweifellos eine atemberaubende Route.
http://www.nasjonaleturistveger.no/de/routen/geiranger-trollstigen
In Trondheim bin ich ins Hotel Britania. Ein Grand Hotel wie ich es mag. Einen Weinkeller mit Restaurant, lecker King Grab und Fischsuppe gegessen. Ein klasse Tag.
http://www.britannia.no/front-page
14.09.2015
Hier und heute bin ich mitten im nirgendwo gelandet. 1 Gericht heute: Koteletts mit Sauerkraut – iss oder schiebe Hunger. 15 km in die eine Richtung und 35 km in die andere Richtung ist hier auf Höhe der Baumgrenze nur noch Natur.
http://www.deutsch.saltfjellethotell.no
15.09.2015
Endlich bin ich auf den Lofoten gelandet in Svolvaer. Die Natur ist gewaltig und wie eine Märchenlandschaft. In dem kleinen Dorf kennst Du nach 3 Tagen alle und wirst freundlich begrüßt. In einer Pinte habe ich einen Polen kennengelernt, seit 25 Jahre sucht er jetzt schon nach dem Sinn des Lebens. Ich antwortete Ihm, ich sei seit 50 Jahre auf der Suche und ich wünsche Dir das Du hoffentlich bis an Dein Lebensende nach dem Sinn weiter suchen mögest.
Das hier hat richtig Spaß gemacht: www.lofoten-explorer.no
18.09.2015
Von Svolvaer nach Hennigsvaer. Ist ein kleines Fischerdorf. Am ersten Abend im Hotel war nicht viel los habe ich ein interessantes Gespräch mit dem Manager geführt. Er kommt aus Schweden und war mehrere Jahre in der französischen Fremdenlegion.
Hotel ist aus dem Jahr 1892. Grosses Kino.
http://www.lofoten.com/nb/restaurant/26-restauranter-henningsvaer/79-lofoten-arctic-hotel-knusarn
20.09.2015
Von Henningsvaer über Narvik rüber nach Schweden.
21.09.2015
Narvik nach Lulea. Ein wirklich sehr schönes Städtchen. Heute waren es 400 km durch schwedisch Lappland. Haufenweise Rentiere an der Straße die immer wieder den Straßenverkehr zum erliegen bringen.
https://www.elite.se/en/hotels/lulea/stadshotellet/?gclid=CNePlqmXg9ICFfcW0wodeusPUQ.
22.09.2015
Lulea – Örnsköldsvik
23.09.2015
Örnsköldsvik – Sundsvall
25.09.2015
Sundsvall – Katrineholm.
Dieses Hotel hier http://www.dufweholm.se/german ist wie eine eigenes Märchen was lebt.
Ein Abend in Stille: Zurück zu den Wurzeln
Inmitten von Dufeholm, umgeben von freistehenden Holzhäusern, die Geschichten aus dem 17. Jahrhundert in sich tragen, fand ich mein Nachtquartier – eine abgeschiedene Hütte unter dem Dach, ausgestattet mit nichts weiter als dem Nötigsten und einem Eimer, der an eine andere Zeit erinnert. Eine Nacht hier zu verbringen, fühlt sich an, als würde man durch die Zeit reisen, zurück zu einem einfacheren Dasein.
Die Ruhe, die diesen Ort umfängt, ist überwältigend. Fernab von der Hektik der modernen Welt, eingebettet in die Stille der Natur, erlebte ich eine Nacht, die ihresgleichen sucht. Auf dem Steg, der sich behutsam über das Wasser erstreckt, ließ ich mich in einen Liegestuhl sinken und entzündete eine Zigarre. Der Rauch, der langsam in den Abendhimmel aufstieg, schien die einzige Verbindung zur Außenwelt zu sein.
Dieser Abend, diese Umgebung, sie sind einzigartig. Was genau diese Erfahrung bringen soll, bleibt ungewiss. Doch in diesem Moment ist das unerheblich. Hier zählt nicht das Ziel, sondern der Moment selbst – ein seltener Zustand der Zufriedenheit und Gelassenheit.
Die Einfachheit des Lebens, reduziert auf das Wesentliche, bietet eine unerwartete Perspektive auf das, was im Leben wirklich zählt. Vielleicht ist es genau das, was solche Momente uns lehren wollen: Dass Glück nicht in der ständigen Suche, sondern im Erleben des Augenblicks liegt. Und solange es der Seele guttut, ist es genau das Richtige.
26.09.2015
27.09.2015
Douglas‘ Geschichten: Ein Abend unter dem nordischen Himmel
Der Abend in Mockelsnäs wurde unerwartet zu einem der denkwürdigsten meiner Reise. Douglas, ein 70-jähriger Amerikaner mit einer Lebensgeschichte, die Bücher füllen könnte, teilte seinen Abend mit mir. Seine Jugend verbrachte er im Dschungel Vietnams, ein junger Soldat, weit entfernt von seinem Zuhause in Detroit. Die Kriegsjahre haben Spuren hinterlassen, doch Douglas spricht mit einer Gelassenheit darüber, die nur die Zeit bringen kann.
Jetzt verbringt er den Großteil des Jahres hier in Schweden, im Land seiner Frau, und entflieht dem skandinavischen Winter für drei Monate nach Florida. Sein Leben scheint eine Brücke zwischen Welten zu sein – nicht nur geografisch, sondern auch in den Erfahrungen, die er gesammelt hat.
Während wir dem Sonnenuntergang zuschauen, der den Himmel in spektakuläre Farben taucht, entfaltet sich eine Unterhaltung, die weit über das Übliche hinausgeht. Douglas erzählt von den Kontrasten seines Lebens, von den Schlachtfeldern Vietnams zu den friedlichen Wäldern Schwedens, von der rauen Stadt Detroit zu den ruhigen Küsten Floridas.
Diese Begegnung ist ein Geschenk. In Douglas‘ Geschichten finde ich Erinnerungen an die Zerbrechlichkeit und die Stärke des menschlichen Geistes. Sein Leben ist ein Zeugnis dafür, dass wir, egal welche Kriege wir kämpfen – ob innerlich oder auf den Schlachtfeldern dieser Welt –, immer die Chance auf ein neues Kapitel haben.
Während die letzte Sonne hinter dem Horizont verschwindet und die Sterne langsam ihren Platz am Himmel einnehmen, spüre ich eine tiefe Dankbarkeit für diesen Moment, für die Geschichten, die geteilt wurden, und für die Erinnerung daran, dass das Leben, in all seinen Facetten, immer lebenswert ist. Douglas, mit seinen 70 Jahren und seiner ruhigen Weisheit, hat mir mehr gegeben als nur eine nette Unterhaltung; er hat mir eine Perspektive auf das Leben und seine unendlichen Möglichkeiten eröffnet.
29.09.2015
Mockelsnäs: Stille Ankunft, verstecktes Leben
Die Ankunft in Mockelsnäs trägt die Stille eines gut gehüteten Geheimnisses. Der leere Parkplatz vor dem großen Hotel wirkt fast unwirklich, als wäre ich in eine andere Zeit eingetaucht. Die Frage nach der Nebensaison hängt in der Luft, doch die Antwort überrascht: Das Hotel ist voll belegt, alle Gäste sind jedoch bei der Arbeit. Ein kurzer, ungläubiger Lachanfall entwischt mir – die Vorstellung von Arbeit hat mich in den letzten Wochen nicht einmal gestreift.
Diese Begegnung spiegelt die Dualität meiner Reise wider: Auf der einen Seite die ungebundene Freiheit der Straße, auf der anderen die unvermeidliche Rückkehr in den Alltag. In diesem Moment wird mir bewusst, dass das Leben in ständiger Bewegung ist, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so erscheint. Die Gäste des Hotels, unsichtbar in ihren beruflichen Verpflichtungen gefangen, erinnern mich daran, dass jeder seine eigene Reise hat, auch wenn sie nicht immer sichtbar ist.
Mockelsnäs bietet mir einen ruhigen Hafen, bevor ich mich wieder in die Strömung des Alltags begebe. Die Stille des Ortes ist trügerisch; sie birgt Leben, das nur darauf wartet, am Abend wiederzukehren. Diese kurze Unterhaltung an der Rezeption ist ein sanfter Stups, mich daran zu erinnern, dass das Leben aus vielen Schichten besteht – einige sichtbar, andere verborgen.
Mein Aufenthalt hier ist eine Gelegenheit, in den stillen Stunden nachzudenken, bevor ich mich wieder in die Welt da draußen stürze. Es ist ein Moment der Ruhe, in dem ich die letzten Wochen reflektieren und mich gleichzeitig auf die Wiedereingliederung in den Alltag vorbereiten kann. Mockelsnäs, mit seiner stillen Präsenz und den unsichtbaren Geschichten, ist der perfekte Ort für diesen Übergang – ein sanfter Reminder, dass das Leben in all seinen Facetten weitergeht, auch wenn wir es manchmal vergessen.
www.mockelsnasherrgard.se/?lg=3&pg=1&pr=0
Pascal Mercier: Perlmanns Schweigen
Was in all den Jahren geschehen ist, in denen er vor allem mit sich selbst beschäftigt war. Damit, durch Arbeit seine Angst vor dem Mißlingen des Lebens zu bannen.
01.10.2015
Rückkehr ins Bekannte: Die letzte Etappe
Die Überfahrt nach Deutschland markiert heute den Anfang vom Ende dieser unvergleichlichen Reise. Im Internet bin ich auf ein Hotel gestoßen, das mehr verspricht als nur eine Übernachtungsmöglichkeit – es scheint ein Ort zu sein, wo man die Seele baumeln lassen kann, bevor man sich dem Alltag wieder stellt. Zwei Nächte werde ich dort verbringen, eine kurze Atempause, bevor ich zu dem zurückkehre, was mein Leben außerhalb dieser Reise ausmacht: meine Familie.
Diese Rückkehr fühlt sich anders an als das Aufbrechen. Es ist ein Heimkommen, aber auch das Ende eines Kapitels, das mich verändert hat. Die Straßen Skandinaviens, die unzähligen Kilometer, die Fjorde und die Nächte unter fremden Sternenhimmeln – sie alle haben Spuren hinterlassen, die tief in mir nachhallen.
Das Hotel, das ich ausgewählt habe, scheint der perfekte Ort zu sein, um diese Reise Revue passieren zu lassen. Ein Platz, der Ruhe verspricht und gleichzeitig den Luxus bietet, den Körper und Geist nach so vielen Tagen unterwegs begehren. Es ist eine Chance, in stiller Betrachtung all die Eindrücke zu verarbeiten, die mich auf dieser Reise begleitet haben.
Doch so sehr ich mich auch auf diese kleine Auszeit freue, schwingt eine Melancholie mit. Die Vorfreude auf das Wiedersehen mit meiner Familie mischt sich mit dem leisen Bedauern, dass dieses Abenteuer zu Ende geht. Diese Reise hat mir gezeigt, dass es immer Wege gibt, die noch nicht erkundet sind, Geschichten, die noch nicht erzählt wurden, und Träume, die darauf warten, gelebt zu werden.
Wenn ich in zwei Tagen die Türen meines Hauses öffne, werde ich nicht derselbe sein, der vor Wochen aufgebrochen ist. Ich kehre zurück mit einem Rucksack voller Erinnerungen, mit einer neuen Sicht auf die Welt und vielleicht auch ein bisschen mit der Wehmut, die das Ende einer langen Reise mit sich bringt. Doch in den Augen meiner Liebsten werde ich finden, was all die Kilometer nicht bieten konnten: das Gefühl, wirklich angekommen zu sein.

























